Die Unendlichkeit der Endlichkeit – eine physikalisch/philosophische Betrachtung

Was bedeutet Unendlichkeit? Gibt es überhaupt etwas in unserem Multiversum bzw. unserem Dasein ganz allgemein, das unendlich ist? Überfordert uns die bloße Vorstellung von Unendlichkeit, sodass wir uns mit der Endlichkeit im Grunde ganz wohl – ganz geborgen fühlen? Andererseits macht uns die Endlichkeit als fixe Gegebenheit oft auch Angst. Beispielsweise der Tod – er bedeutet für viele ein absolutes Ende – das Ende der Existenz eines Körpers vielleicht, aber das Ende einer Seele?

In der Physik sagt man Energie ginge nie verloren – kann sich aber umwandeln. Ist die Seele – auch all unsere Entscheidungen, Emotionen – nicht auch Energie? Schließlich leben unsere Entscheidungen und Erfahrungen, die wir im Leben getroffen und auch nicht getroffen haben, weiter. Alles hat mehr oder weniger Auswirkungen, die noch Jahrzehnte später zu dem Ergebnis führen, welches dann spürbar ist. Wenn meine Mutter vor 20 Jahren nicht Ihre Leidenschaft für die Kunst bzw. ihren Mut die konventionellen, beruflichen Wege zu verlassen gelebt hätte, würde ich jetzt wohl nicht diesen Beitrag schreiben. Insofern leben ihre damalige Entscheidung und ihr Enthusiasmus in mir weiter, weil auch sie mich, neben meinen Entscheidungen zu dem Menschen werden haben lassen, der ich jetzt bin.

Was passiert mit den Entscheidungen die wir hätten treffen können, es aber (aus welchen Gründen auch immer) nicht getan haben? Leben auch diese Entscheidungen weiter? Der Physiker Max Tegmark spricht in diesem Fall von Level-3-Multiversen. Vereinfacht gesagt, entsteht zu jedem Zeitpunkt einer Entscheidung eine neue Parallelwelt in der wir anders entschieden haben. Es würden somit unendliche Entscheidungsbäume und Parallelwelten existieren. Nicht nur das – auch wir würden in unendlichen Parallelwelten andere Entscheidungen miterleben. Es gäbe unendlich viele einzigartige ICHs.

Damit würde auch der Tod relativ. Wenn sich jemand dazu entscheidet, sich das Leben zu nehmen, tut sich automatisch eine Parallelwelt auf, in der er es nicht tut. Dann würde der Tod nur einen Teil des ICHs betreffen – nur eine Parallelwelt. Wäre das dann überhaupt ein Tod? Würde ein Tod dann überhaupt existieren?

Die Basis zu diesen Forschungen hat der österreichische Physiker und Nobelpreisträger Erwin Schrödinger bereits im vergangenen Jahrhundert mit seiner „Schrödinger-Gleichung“ gelegt Aber nur in einer Parallelwelt.